Roman F. Hümbs
Mitglied im Net Foto Art Club

Zeitgenossen



WP: Ich kenne kaum einen Fotografen, der sich so intensiv mit den verschiedensten Gebieten der Fotografie beschäftigt wie Du das tust, Roman. Was macht für Dich die Faszination der Fotografie aus?

RFH: Ich empfinde es fantastisch, wenn durch den Sucher einer Kamera geblickt, die Gedanken zu Bildern werden und allein durch das Auslösen dieses festgehalten wird. Ich kann bereits mittels Brennweitenwahl die Abbildung der Umwelt manipulieren, ich kann Filtertechniken einsetzen, ich kann mir die neuen Medien zunutze machen. Bilder, Bilder ohne Grenzen. Einzig erfahren wir eine Begrenzung durch die eigene Kreativität.


WP: Wie kamst Du zur Fotografie?

RFH: Die Fotografie begeistert mich jetzt fast 20 Jahre. Mit 18 begann ich mich ernsthaft für die Fotografie zu interessieren, und merkte schnell, dass es für mich persönlich nicht reicht, nur den Auslöser zu drücken, auch die Gestaltung wollte gelernt sein. Somit machte ich Praktikas bei verschiedenen Fotografen in Düsseldorf, erlernte dabei wichtige Dinge für meine spätere Laborarbeit und vor allem erlernte ich den technischen Umgang mit dem "Handwerkzeug" Kamera. Doch dies war mir zu wenig: immer nur das ablichten, was auch vorhanden war. Mir schwebte immer schon vor, dass ich meine Gedanken, meine Emotionen visualisieren wollte. Aber wie? Licht und Farben übten schon immer eine starke Faszination auf mich aus, und als dann 1982 die ersten CD's in Deutschland erschienen, arbeite ich 3 Jahre mit diesen Scheiben. Heraus kam dabei das Projekt, das meinen Intentionen entsprach: "Frequenz - Analyse" Teil 1 und kurz darauf Teil 2.

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WP: Und wie waren die Reaktionen darauf?

RFH: Ich selbst war absolut überzeugt davon, aber die ersten Reaktionen auf mein Projekt waren eher verhalten. Dann kam ich mit Prof. Herbst aus Düsseldorf zusammen, und er ermöglichte mir eine Ausstellung. Diese Ausstellung gab für mich einen wichtigen Schub.
Nach einem ersten Resümee der Ausstellung beschloss ich, diese mit weiteren Werken zu bestücken und es folgte darauf eine europaweite Wanderausstellung. In Oslo sind seitdem zwei meiner Werke dauerhafter Bestandteil des dort ansässigen Stadtmuseums (nochmals Dank an Gösta, ohne ihn wäre das alles nicht so schnell gegangen).


WP: So wie ich Dich kenne, hast Du aber sicher noch andere Dinge gemacht, oder?

RFH: Ja, zeitgleich nahm ich mit meinen Arbeiten bei nationalen und internationalen Wettbewerben teil - mit Erfolg. Dies stellte mich persönlich aber nicht zufrieden. Immer nur ein Bild allein, nein, das ist es nicht was ich wollte. Ich hatte selbst eine tolle Unterstützung in Sachen Fotografie erfahren, und so ist es mein Anliegen bis heute, dass ein jeder von meinen Erfahrungen, die ich gerne weitergebe, auch profitieren soll. Also fing ich an Texte und Bilder an die unterschiedlichsten Verlage zu schicken und schnell stellte sich heraus, dass den Verlagen meine Bilder und mein Schreibstil gefiel und somit werden bis heute in loser Folge Artikel mit Bildern von mir veröffentlicht.


WP: Wie beurteilst Du die immer schneller werdende Entwicklungen in der Fotografie und was bedeutet für Dich die rasante Zunahme der digitalen Komponenten?

RFH: Anfang 1990 folgte das Projekt "digitale Welten" welches immer mal wieder in den Fachpublikationen vorgestellt wird, so auch z.B. in der Photographie 5/2000 als Portfolio.

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Es ist die Verschmelzung beider Bereiche, der Analogen Welt und der Digitalen. Bei diesem Projekt fotografiere ich "normal", setze anschließend die gemachten Aufnahmen mit Hilfe des PC in eine Verfremdung um, welche meinen Empfindungen zum Zeitpunkt des Erstellen nahe kommt, und anschließend fotografiere ich dann diese neu erstellten Werke von der Monitor-Bildschirm wieder ab. Das Projekt fand seinen Abschluß 1998, wird von mir seitdem weiter verfeinert, aufgrund der schnellen Entwicklung in der Hardware.


WP: Hört sich einfach an, nur sehe ich da ein paar Probleme, wie etwas die Lochmaske. Wie umgehst Du diese?

RFH: Nein, die Lochmaske ist nicht zu sehen. Warum nicht? Nun, ich stelle beim abfotografieren nicht auf die eigentliche Lochmaske scharf, sondern versetze die Schärfe ein Stückchen dahinter, auf die eigentliche fluoreszierende Schicht. Ich arbeite mit einem leichten Tele, ein 100er Makro tut hier recht gute Dienste und mache Variationen von 2 sec. und Blende 4.0. Da die heutigen Monitore absolut planar sind, entstehen auch keine Krümmungen.
Meine Bilder "digitale Welten", welche die Fotozeitschriften veröffentlichen sind alle auf diesem Wege entstanden. Der Verlag erhält also ein echtes Dia von mir und dieses wird dann gescannt und kommt somit zum Druck. Ein Unterschied zu einem herkömmlich erstellten ist nicht sichtbar.


WP: Welche Aktivitäten darüber hinaus verfolgst Du noch?

RFH: Nun, ich gebe Seminare zur digitalen Bildbearbeitung, aber auch zur angewandten Fotografie, leite Fotoreisen innerhalb Europas, und führe Tagesexkursionen mit Fotografie-Begesisterten durch. Diese Aktivitäten mache ich in Eigenregie, einige Programme werden aber von mir auch für den Deutschen Verband für Fotografie und für den Fördervein der Stiftung NRW angeboten.


WP: Du bist sehr engagiert im Net Foto Art Club, weshalb gerade hier?

RFH: Im Jahr 2000 bin ich zum Net Foto Art Club gestoßen. Mich überzeugt das Konzept, das danhinter steht. Die Popularität des Net Foto Art Clubs liegt nicht daran, dass dies die erste Internet-Vereinigung für die angewandte Fotografie ist, sondern die Popularität liegt zweifellos am Konzept und den daraus resultierenden Projekten.
Da ist nicht nur das offene Forum für alle die sich dem Thema Fotografie vertraut gemacht haben und machen möchten, auch die Photo-Tipps sind einzigartig. Unter
www.photo-tipps.de wird von Machern aus der Praxis verständlich beschrieben, wie man Thematiken angeht, so dass sie im Bedarf von den Lesern auch umgesetzt werden können.

Fotografieren kann man erlernen, bezogen auf die Technik, nicht aber das eigentliche SEHEN. Lernen wir Fotos zu betrachten mit der Institution des SEHENS. Seien Sie deshalb immer kritisch zu uns selbst und den eigenen Werken. Wir lernen ständig voneinander, die Profis und die Amateure, gegenseitig. Darin sehe ich die Hauptaufgabe des Net Foto Art Clubs.


WP: Eine immer wieder gestellte Frage, auch an Dich. Mit welchem Equipment arbeitest Du und wo liegen Deine Schwerpunkte?

RFH: Die von mir eingesetzte Technik ist das Kleinbildformat. An Filmmaterial bevorzuge ich den Fuji Velvia und den Provia 100F. Den Velvia wegen seiner bunten Farben, dieses macht einen Polfilter beinahe ersetzlich, unbeschreiblich die Schärfe des Films. Der Provia 100F ist im direkten Vergleich flacher in der Graduation, erreicht aber eine noch höhere Schärfe und ist erheblich besser beim Scanverhalten. Diese beiden Filmsorten sind mein ständiger Begleiter. Ich sollte noch erwähnen, dass ich ohne Stativ gar nicht erst los ziehe. Sei es noch so unbequem, auch im Zeitalter der IS Technologie. Doch nur mit einem Stativ hat man die Möglichkeit, den Ausschnitt exakt festzulegen. Und alles, was bei der Aufnahme direkt gestaltet wurde, erspart später erheblich Arbeit, im analogen wie im digitalen Labor.
Meine Schwerpunkte in der Fotografie liegen überwiegend einmal im künstlerischen, zum anderen aber auch in der Tier- wie Landschaftsfotografie.
Das alles benötigt Zeit, von der keiner genug hat. Ich sage deshalb persönlich Dank an Walli und Florian, ohne deren Mitwirkung und Unterstützung, direkt und indirekt, eine solche Aufgabe nicht zu bewerkstelligen wäre. Aber auch an alle weiteren, die mich bisher unterstützt haben in der angewandten Fotografie.


WP: Was ist als nächstes geplant?

RFH: Derzeit sind zwei große Projekte in Arbeit, einmal "der Bildgedanke", voraussichtlicher Abschluß Ende 2000 und "drei Welten" voraussichtlicher Abschluß Ende 2001.

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Auch darf ich einladen zum Fotospaziergang, so heißt meine Homepage:
www.fotospaziergang.de


WP: Vielen Dank, Roman F. Hümbs, für Deine ausführlichen Erläuterungen und alles Gute für Deine Zukunft und Deine Projekte.



Die Fragen stellte Wolfgang Peter





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