Technik + Bildbearbeitung

Tipps



Polaroidtransfer, Emulsion - Lift
von Günther Neuz


Bei der Übertragung von Polaroid-Fotos auf andere Materialien - den sogenannten Polaroidtransfers - gibt es zwei Verfahren. Den Emulsions-Lift, hier wird die oberste Schicht des positiven Polaroids abgelöst und auf andere Untergründe übertragen und den Image Transfer, wo man das Polaroid während der Entwicklung trennt und das Negativ auf ein neues Trägermaterial überträgt. Die nachfolgenden Erklärungen beschränken sich auf den Emulsions-Lift.

Man benötigt ein Polaroidfoto, das auf Filmen mit den
Typenbezeichnungen 669 (8,3 x 10,8 cm), 59, 559 und 809 aufgenommen wurde. Bei anderen Filmtypen läßt sich die Oberfläche nicht lösen. Der direkte Weg ist, das Polaroid direkt mit einer Polaroidkamera oder einem Polaroidrückteil aufzunehmen. Wer - wie ich - keine Polaroidkamera besitzt, kann von einem ganz normalen Dia ein Duplikat auf Polaroidfilm anfertigen. Das geht mit dem Polaroid Daylab (ca. 450 DM im Fotohandel) oder mit einem Vivitar Instant Slide Printer. Man dupliziert das Dia gemäß Betriebsanleitung des jeweiligen Gerätes und entwickelt das Polaroid entsprechend den Anweisungen des Filmpacks und probiert und testet ein wenig, bis man ein richtig schönes Polaroidbild vorliegen hat (zu helle Bilder = zu lange belichtet und umgekehrt)





Man benötigt dann 2 Entwicklerschalen oder Schüsseln aus der Küche. In eine Schale kommt ca.
70 Grad heißes Wasser. In diese Schale wird das Polaroid gelegt und ca. 5 Minuten geweicht. Dann merkt man schon, daß sich die obere Schicht abzulösen beginnt. In der zweiten Schale oder Schüssel liegt das Aquarellpapier in normal-kaltem Wasser (Zimmertemperatur), ebenfalls zum Einweichen. Gut eignet sich auch Kupferdruckpapier. Wenn ich sehe, daß sich die Schicht zu lösen beginnt, löse ich die Oberfläche mit Pinzette, Pinsel oder mit den Fingern in Gummihandschuhen ganz ab und transportiere das Bild in die andere Schale mit dem neuen Trägermaterial. Das ist ein schwieriger Teil des Unternehmens, da das Bild weich, glitschig und die Oberfläche sehr empfindlich ist. Hierbei wird es leicht zerissen und ist manchmal nicht mehr reparabel. Wenn es jedoch gelungen ist, diese oberste Polaroidschicht in die zweite Schale zu bekommen, kommt erst der wirklich schwierige Teil. Die glitschige Oberfläche muß etwas gereinigt werden, um eventuelle Partikel aus der Trägerschicht herauszuwaschen. Danach muß es auf das neue Trägermaterial aufgetragen werden. Dazu benutze ich einen weichen Pinsel. Dadurch, das das ganze im Wasser, bzw. unter Wasser stattfindet, kann man das Polaroid noch bewegen, ausstreichen, in die Länge ziehen, ganz so, wie es dem eigenen künstlerischen Empfinden entspricht. Wenn es in etwa so auf dem Aquarell oder Kupferdruckpapier sitzt, wie es soll, kann man das ganze aus dem Wasser nehmen und die Fein-Positionierung im Trockenen vornehmen. Das ganze ist ein mühsames Unterfangen und man produziert eine ganze Menge Ausschuss. Aber die Polaroid-Transfers die gelingen, sind Unikate, die in gleicher Form nie mehr reproduziert werden können. Selbst ein weiterer Versuch mit einem Polaroid vom gleichen Motiv wird zu anderen Ergebnissen führen. Aber gerade die Tatsache, daß von fotografischen Ausgangsmaterialien Unikate entstehen, ist das reizvolle an dieser Technik. Falten, Verzerrungen und krumme Ränder sind gewollt und das Typische an Aquarelltransfers. Man kann auch experimentieren und es mit trockenem Untergründen versuchen oder zwei Polaroidschichten gemeinsam auf ein Blatt neues Trägermaterial anbringen. Das ist bei diesem Bild der Fall. Wenn man genau hinsieht, erkennt man die Gesichter der Mädchen aus dem zweiten Pola.





Damit ist die Technik des Emulsion-Lift's abgeschlossen. Das Ergebnis wird getrocknet, in dicken Büchern gerade gepresst und kann hinter einem schönen Passepartout präsentiert werden und wird schon ab diesem Zeitpunkt der Bearbeitung beim Betrachter Erstaunen und Anerkennung hervorrufen. Wer sich noch näher mit den Polaroid-Techniken befassen will, dem sei der Beitrag von
Michael Nischke empfohlen, der in Foto & Labor einen interessanten Artikel zu diesem Thema veröffentlicht hat. Auch mein Wissen beruht auf diesem Artikel. Vielen Dank an Michael.





Mir war speziell das obige Motiv zu 'leer'. Daher habe ich das Ergebnis im Flachbettscanner eingescannt und am PC mit einem 2. Motiv montiert. Dieses Bild ist ebenfalls ein Polaroid von einem Dia, aber eben noch nicht transferiert, sondern sozusagen ein Original-Polaroid-Foto, das ich ebenfalls eingescannt habe, aber seitenverkehrt, um die Diagonale im Polaroid-Transfer zu wiederholen. Im Bildbearbeitungsprogramm habe ich die zwei Ausgangsbilder in unterschiedlichen Ebenen abgelegt. Das Bild mit den Mädchen wurde kleiner skaliert und in der neuen Größe eine Ebenenmaske angelegt. Mit einer Ebenmaske kann man die beiden übereinanderliegenden Ebenen pixelgenau miteinander verschmelzen. Indem ich entweder Schwarz oder Weiß mit dem Pinsel-Werkzeug auftrage, tritt entweder die eine oder die andere Ebene in den Vordergrund. Mit Zwischentönen in Grau kann ich 'Überblendungen' der beiden Ebenen darstellen. Diese Arbeit ist zeitintensiv und letztlich ist der persönliche Geschmack für den Grad der Überblendung der zwei Ebenenen ausschlaggebend für die abschließende Gesamtwirkung. Ich habe mich für eine Mischung entschieden, in der der Rand zwar sichtbar ist, aber nicht exakt und durchgängig dargestellt wird.


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Abbildungen und Text © Günther Neuz

 

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