Technik der Panoramafotografie

Tipps



  Mirardor 2000

Mirador del Rio - Lanzarote



Einschränkungen
Die Panoramafotografie ist eigentlich wie andere Gebiete der Fotografie ein ziemlich großes Kapitel. Damit mein Beitrag hier auf der nfac-Tipps-Seite nicht zu umfangreich wird, weise ich bereits an dieser Stelle auf folgende Einschränkungen hin:
- Kleinbild (sie gibt es auch für das Mittelformat),
- Seitenverhältnisse von > 2:1 (keine 360°-Fotografie).
Alles, was darüber hinausgeht, wird hier höchstens knapp erwähnt. Der Schwerpunkt dieses Beitrages liegt hier in der Technik.


Entstehung
Die Panoramafotografie ist so alt wie die Fotografie selbst, denn die frühen Fotografen bis um die Jahrhundertwende kannten keine Industrie-Normen und legten ihre Formate selber fest, manchmal je nach Motiv.


Formate
Heute fotografieren fast alle mit genormten Formaten, z.B. auf dem Kleinbildformat mit 24x36mm mit dem Verhältnis 3:2 für die Breitseite oder auf dem APS-Format von 16x30mm mit dem Kinofilm-Seitenverhältnis von 16:9 für die Breitseite. Egal, welche Flächengröße unser verwendetes Format hat, wir haben uns mit der Zeit an Normen gebunden, die von der Industrie mit passendem Service unterstützt werden und eigenartige Formate fielen dabei fast weg. Ein extra breites Filmformat wird bisher lediglich bei APS von A bis O unterstützt, d.h. vom eingeschränkten Sucherdurchblick auf das Panoramaformat bis zu Abzügen. Genau die Einschränkung des Formats auf ca. 1/2 der Bildfläche durch Wegschnitte eines Teils oben und unten ist eine seitens der Industrie viel gepriesene Lösung für das Panoramaformat. Eigentlich praktisch, doch den meisten, die wissen, dass dabei nicht nur Film verschwendet wird, sondern auch die Auflösung, gefällt diese Vorgehensweise nicht und sie vergessen diese Sache lieber. Letzteres scheint mir in der Werbung für APS ein wichtiger Grund für das Verschweigen der Lösung für Panorama zu sein. Die Panoramafotografie ist also eine Frage des Filmformats und des Seitenverhältnisses, und für das Panoramaformat gibt es meines Wissens nach auch heute (Sept. 2000) noch keine Normen.


Kleinbildpanoramakameras und ihre Formate
Sicher ist, dass die Auflösung der echten Panoramaformate viel besser ist als bei den zugeschnittenen Formaten. APS-Panorama-Abzüge eignen sich oft nur für bis 10x25cm Größe. Um ein Beispielvergleich zu nennen: das Format der Noblex 135 ist bereits ca. 5,5 mal so groß wie das Panoramaformat von APS - also für Fotografen eigentlich doch gar kein Vergleich.


Formatvergleich


Objektiv & Trommel (englisch: Swing-Lens-Camera)
Entweder konstruiert man ein Objektiv für die gesamte Panoramafläche und nimmt dabei einiges in Kauf, z.B. mehr oder weniger starke Verzeichnungen und Verzerrungen oder Vignettierungen in den Bildecken. Einige Anbieter, z.B. Hasselblad, haben dabei für ihre Panoramakamera erstaunliche Leistungen an den Wechselobjektiven vollbracht, die allerdings auch ihren Preis haben. Andere Hersteller gehen einen für die normale Fotografie ungewöhnlichen Weg: sie lassen während der Belichtung das Objektiv über die Bildfläche gleiten, wobei es sich in einer rotierenden Trommel befindet und durch einen vertikalen Spalt lugt. Diese Lösung wird von den Herstellern von Horizon-, Noblex- und Widelux-Kameras praktiziert.


Konstruktionsprinzip


Die Trommel der mechanischen Kameras Horizon und Widelux rotieren immer mit der gleichen Geschwindigkeit und dosieren die Belichtung nicht nur durch die Blende, sondern auch durch die Spaltbreite, die bei jeder Verschlusszeit von der Kamera anders eingestellt wird. Bei den Noblex-Kameras ist der Spalt der Trommel feststehend, d.h. immer gleich, dafür rotiert die Trommel je nach Verschlusszeit mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Mit einem elektronischen Zubehör lässt sich bei Lichtmessung die Trommel sogar während der Belichtungszeit unterschiedlich schnell rotieren und damit lassen sich Helligkeitsunterschiede links undrechts ausgleichen.
Die wichtigsten Vorteile der Trommelrotation sind zum einen die Möglichkeit zur sehr guten Bildqualität bis in die Ecken, da wenig aufwendige Objektivkonstruktion erforderlich, da nur das dem Objektiv durch den Spalt sichtbare Bildfeld sehr gut abgebildet werden muss. Das wiederum ermöglicht eine leichtgewichtige und kompakte Gesamtkonstruktion. Der gravierendste Nachteil ist die Krümmung von Horizontallinien oberhalb und unterhalb der vertikalen Mitte nach oben bzw. nach unten, falls sichtbar (das können z.B. auch Dächer von Häusern sein, deren Oberkante parallel zum Filmlängsseite steht).
Eine Lösung dieses Problems besteht darin, die Horizontallinie von der Höhe des Motivs, die auf keinen Fall gekrümmt werden soll, genau durch die vertikale Mitte gehen zu lassen. Um das kontrollieren zu können, bieten die Swing-Lens-Cameras die eingebaute Wasserwaage als Justierhilfe an. Bei der Noblex 135 S/U hat man noch eine kleine Korrekturhilfe: das Objektiv lässt sich 4mm nach oben shiften. Allerdings ist das Shiften nicht leicht und erfordert Erfahrung, da er in seiner Wirkung im Sucher nicht sicher kontrolliert werden kann. Bei reinen Landschaftsaufnahmen gibt es in dieser Hinsicht nur wenig Probleme.


Weitere Informationen
Diese Informationen -hier bewusst etwas knapp gehalten- sollten Ihnen einenEinblick in die Panoramafotografie bieten. Wenn Ihnen dies nicht genügt, finden Sie auf meiner Homepage www.hjluether.de ausführlichere Infos und mehr zu diesem Thema, unter anderem:
- mehr Panoramafotos,
- Kleinbildpanoramakamera-Vergleich,
- praktische Tipps,
- Liste von Mittelformatpanoramakameras und ihre Formate,
- spezielle Links.

Für die eventuelle Beantwortung von darüber hinaus noch offenen Fragen hier
meine E-Mail-Adresse:
hj@luether.net


Hier finden Sie den empfehlenswerten
Online-Fotokurs "Panaramafotografie" von Agfa.

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