Makro-Fotografie

Tipps



Technische Vorausbemerkungen:
Die Makro-Fotografie stellt erheblich höhere Anforderungen an Technik und auch physikalisches Wissen um die Gesetze der Optik als andere Zweige der Fotografie. Ohne Spiegelreflex-Kamera geht es ohnehin nicht, man benötigt entweder Vorsatzlinsen oder Auszugsverlängerungen wie Balgengerät oder Zwischenringe, um die gewünschte Vergrößerung zu erhalten, es sei denn, man hat ein spezielles Makro-Objektiv, das eine Auszugsverlängerung eingebaut hat oder auch mit dem Auszug die Brennweite verkürzt. Letztere Möglichkeit wird besonders bei den Makro-Einstellungen an Zoom-Objektiven genutzt .

In der Makro-Fotografie führt man einen ständigen "Kampf" mit der Schärfentiefe. Diese ist völlig unabhängig von der verwendeten Brennweite, einzig abhängig von der Endvergößerung auf dem Film. Je höher die Vergrößerung, desto geringer wird die Schärfentiefe. Weitwinkel-Objektive scheinen eine größere Schärfentiefe zu haben als längere Brennweiten - dies ist aber nicht richtig, da dieser Effekt einzig auf ihrer geringeren Vergrößerung des Aufnahmebildfeldes beruht.

Damit ist auch ein zweiter Aspekt ganz klar: will man einen Gegenstand formatfüllend abbilden, so muß er im Kleinbild auf ca. 43 mm Diagonale abgebildet werden, im Mittelformat (6x6) auf etwa 84 mm. Entsprechend ist die Schärfentiefe bei gleicher Blende im Mittelformat drastisch kleiner. Daher ist klar: für stark vergrößerte Makro-Aufnahmen ist das Kleinbild geeigneter als das Mittelformat. Ich beschränke mich im Mittelformat deshalb auf 3,5:1 als maximale Vergrößerung.



3 Bilder, 2 Techniken: links Aufhellblitz mit langer Verschlußzeit (2s), die anderen Bilder mit kurzer Verschlußzeit (1/250 s) bei starker Blitzleistung.


Prinzipiell kann man durch Abblenden die Schärfentiefe steigern. Dies ist aber nicht beliebig möglich, da dabei die sogenannte Beugungsunschärfe an der Blende steigt. Praktisch jedes hoch geöffnete Objektiv verhält sich in seiner Abbildungsqualität so, daß voll geöffnet seine Abbildungsleistung durch Korrekturfehler etc. relativ schlecht ist (mit ganz wenigen Ausnahmen), sie steigt dann mit geringem Abblenden i.d.R. bis Blende 8 auf optimale Leistung an, um dann durch zunehmende Beugungsunschärfen wieder zu fallen.

Empfehlenswert zu diesem Thema:
Photo.do-Server und Nikon-Server.

Aus diesen physikalischen Gegebenheiten folgt eine wichtige Erkenntnis. Spitzenobjektive braucht man für Aufhellblitztechniken mit relativ weit geöffneter Blende, bei denen man diese hohe Abbildungsleistung nutzen kann. Blendet man stark ab, um die Schärfentiefe zu steigern, wird man zwischen Superoptiken und relativ billigen Scherben kaum noch Unterschiede sehen, da nur noch die Beugungsunschärfen die Bildqualität limitieren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Ausschaltung von Störlicht. Bei vielen Makroobjektiven ist die Frontlinse aus diesem Grund schon tief in den Tubus zurückgezogen eingebaut, so daß seitlich einfallendes Licht abgeschirmt wird. Benutzt man aber z.B. Vorsatzlinsen, so hat diese Frontlinse keine Abschirmung gegen seitliches Licht. Deshalb benutze ich immer eine zusätzliche Gummi-Sonnenblende noch auf der Vorsatzlinse, die man ggf. zusammenfalten kann, falls der Abstand Frontlinse - Objekt kleiner wird als die Länge der Sonnenblende.

Weiter wichtig ist natürlich die Belichtung. Durch Auszugsverlängerung und Veränderung der effektiven Blende reicht das natürliche Licht bei Verwendung hochwertiger Filme nur selten für hinreichend kurze Verschlußzeiten aus. Abhilfe können Elektronenblitze schaffen, die ein "hartes" Licht abgeben, was einerseits Vorteile haben kann, weil dadurch Konturen hervorgehoben werden, andererseits aber auch Nachteile, weil dabei eine unnatürliche Lichtwirkung erzeugt werden kann.



Das Fotografieren von Insekten in natürlicher Umgebung erfordert kurze Verschlußzeiten (1/250s), ein Arbeiten aus der Hand ist unerläßlich. 150 mm Makro-Kopf am Balgen an der Rollei 6008.


Texte und Fotos © Dr. Horst Kretzschmar



 

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