Makro-Fotografie

Tipps



Fotografische Aspekte:
"Wie man ein Bild gestaltet, ist sicher viel vom persönlichen Geschmack abhängig. Ich kann daher eigentlich nur beschreiben, wie ich selber fotografiere, weil mir dies am Besten gefällt."

Unbrauchbar ist bei starken Vergrößerungen auch bei echten Makroobjektivenein Autofokus. Dieser irrt nur nach rasch hin und her, weil ein sehr kleines Objekt aufgeblendet nie ganz scharf sein kann. Also: abschalten, manuell den gewünschten Bildausschnitt festlegen, und dann durch sachtes Vor- und Zurückbewegen der Kamera die optimale Schärfe finden.



2 Bilder links: Blitzen mit kurzer Verschlußzeit (1/250 s) bei starker Blitzleistung, rechts reines Aufhellbblitzen.


Ziel meiner Arbeiten ist, eine Pflanze oder ein Tier möglichst natürlich darzustellen. Dazu gehört neben einer scharfen Abbildung des Objektes eine natürlich wirkende Belichtung. Natürliches Licht kommt von der Sonne, hat deshalb immer eine einzige Richtung. Ich finde deshalb Ringblitze schlankweg scheußlich in ihrer Wirkung, weil sie jedes Objekt völlig schattenfrei ausleuchten, da ihr Licht von allen Seiten gleichzeitig kommt. Grundsätzlich sollte das Licht von oben kommen, wo die Sonne normalerweise steht. Benutzt man hierzu einen einzelnen Blitz, so entsteht, wenn der Blitz die Hauptlichtquelle ist, eine sehr harte Schlagschattenwirkung. Man kann sie mildern, wenn genug natürliches Licht zur Verfügung steht, indem man den Blitz nur ganz leicht blitzen läßt. Man kann dann den Blitz auch direkt, oder leicht von unten kommen lassen, um Schattenbildungen durch die Sonne etwas aufzuhellen.

Praktisch geht man so vor, daß man z.B. bei einer Nikon 90x auf manuellen Belichtungsabgleich schaltet, diesen korrekt durchführt. Angenommen, bei Blende 8 und 1/180s sei die Lichtwaage der Anzeige ausgepegelt. Sind Blitz und Kamera auf TTL-Automatik-Betrieb geschaltet, kann man nun die Lichtwaage um ein Teilelement in Richtung Unterbelichtung verschieben, z.B. indem man 1/200 s als Belichtungszeit wählt. Löst man nun aus, wird genau diese leichte Unterbelichtung durch den Blitz ausgeglichen.

Bei der Rollei 6008 integral kann man solche Blitzaufhellungen direkt in 1/3 Blenden am Belichtungskorrekturschalter wählen, da sie bei eingeschaltetem Blitz von den Belichtungskorrekturschalter in dieser Weise interpretiert.



Analoge Technik im Kleinbildformat. Links volle Blitz-Leistung am Boden, rechts Aufhellblitz mit reduzierter Schärfentiefe.


Die im Nikon-Beispiel dargestellte Form des Aufhellblitzens geht eigentlich mit jeder Kamera, die die TTL-Blitzmessung bietet, wie z.B. mit der Leica R8. Von Seiten der Kamera ist nur wichtig, daß die Verschlußzeit beim Blitzen hinreichend kurz sein kann (möglicht bis 1/250 s), um eine verwacklungsfreie Aufnahme aus der Hand zu bekommen.

Prinzipiell geht diese Technik auch mit langen Verschlußzeiten. Hier ist dann ein stabiles Stativ elementar notwendig, weiterhin muß zumindest kurzzeitig Windstille herrschen. An der Kamera und/oder am Blitzadapter muß die Synchronisation auf den 2. Vorhang eingeschaltet werden. Alle übrigen Arbeiten geschehen wie oben, nur daß man z.B. mit 1/2 oder 1 s belichtet, zum Auslösen unbedingt Drahtauslöser oder noch besser Elektroschalter benutzt. Auf diese Weise kann man z.B. im dunklen Wald eine natürliche Belichtung erzielen. In jedem Fall sinnvoll sind dabei mehrere Aufnahmen, da kleinste Verwackler durch Windeinwirkung oft nicht bemerkt werden.

Diese Techniken eignen sich besonders in den Bereichen der mäßigen Vergrößerungen von 1:10 bis 1:2 im Kleinbildformat. Sind die äußeren Bedingungen für das Aufhellblitzen ungeeignet (viel Wind, zu wenig natürliches Licht, für hinreichende Schärfentiefe hoher Blendenwert erforderlich), bleibt nur, mit Hilfe von viel Blitzlicht praktisch unter Studiobedingungen im Freien zu fotografieren. Leider wird dies bei starker Vergrößerung die Regel sein, da hier die Auszugsverlängerung durch Balgengerät oder Zwischenringe sehr viel Licht schluckt.



Aufhellblitz: variierter Blitzlichtanteil mit kurzer Verschlußzeit (1/250 s)


Ich benutze 3 starke Blitze (Metz 40 MZ3), die um das Objekt plaziert werden. Im Vordergrund ein TTL-Blitz an der Kamera, über den die Lichtregelung läuft, montiert auf einer Blitzschiene links etwas erhöht seitlich vom Objektiv. 2 weitere solche Blitze sind mit Slave-Adaptern ausgestattet, werden drahtlos vom Masterblitz an der Kamera geregelt. Ein Slave-Blitz wird rechts vom Objektiv so ausgerichtet, daß er entweder doppelt soweit wie der Master vom Aufnahme-Objekt steht oder aber auf einen größeren Ausleuchtungswinkel geschaltet (Beispiel: Master-Ausleuchtwinkel für 35 mm, Zweitblitz für 20 mm Brennweite). Hierdurch entsteht eine Lichtzange mit 1:2 Teilung. Der dritte Blitz wird deutlich weiter zurück im Hintergrund meist so eingesetzt, daß er gerade noch am Objekt ein leichtes, von oben kommendes Gegenlicht streifend erzeugt, ansonsten aber den Hintergund ausleuchtet.

Um das Licht möglichst weich zu halten sollte man bei allen Blitzgeräten versuchen, mit möglichst großem Ausleuchtwinkel zu arbeiten, ggf. einen Diffusor-Vorsatz am Blitz benutzen. Lästig ist hier immer die Funktion an allen modernen Kameras, den Ausleuchtwinkel des Blitzes auf die Kamera-Brennweite anzupassen, da man deshalb ständig von Hand den Ausleuchtwinkel wieder ändern muß, wenn man die Kamera neu einschaltet.



Volle Blitzleistung im extremen Makrobereich.


Bei sehr kleinen Objekten mit starker räumlicher Ausdehnung (z.B. Käfer, Blüte) muß man zwangsläufig stark abblenden, Blende 16 -32 sind gefragt, um hinreichende Schärfentiefe zu erhalten. Da man bei langen Auszügen um 1:1 im Kleinbild die Schärfentiefe nicht mehr kontrollieren kann (der Sucher wird beim starken Abblenden einfach zu dunkel), muß man sich auf Erfahrungswerte verlassen. Ich stelle scharf auf 2-3mm hinter den kameranahen Rand einer Blüte, durch das Abblenden erreicht man dann eine Schärfentiefenausdehnung bis in den bildwichtigen Vordergrund. Das Auge toleriert eine relative Unschärfe im Hintergrund leichter als gerade im Vordergrund. Empfehlenswert ist es, besonders wenn die Blüten einer Pflanze relativ weit vom Boden entfernt sind, die Pflanze etwas nach hinten zum Boden hin zu kippen, um so einen für den dritten Blitz ausleuchtbaren Hintergrund zu erhalten. Auch diese Fotografiertechnik praktiziere ich aus der Hand, was den Vorteil hat, daß man auch sich rasch bewegende Objekte wie Kleintiere "erwischen" kann.


Text und Fotos © Dr. Horst Kretschmar


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