Bildgestaltung

Tipps


Ultra-Langzeitbelichtungen

Anwendungsbeispiele:

Fließende Gewässer, Wasserfälle
Glätten von Meereswogen, Gischt und Brandung = Nebeleffekt
Windaufnahmen: Bäume, Getreidefelder, flatternde Stoffe
Eliminierung von Personenabbildungen in Architekturaufnahmen
Geisterhafte Personenaufnahmen
Gewitter bei Tag. (Blitzgeschützt aufstellen, Regenschirm nicht vergessen!)
Straßenverkehr in der Dämmerungsphase – Lichtspuren der Fahrzeuge
Sternenhimmel bei Nacht, Zeiten von einigen Minuten bis mehrere Stunden


Hilfsmittel:

Stabiles Stativ
Pollarisationsfilter und Graufilter verschiedener Stärke
(z.B. 8-, 64-, 400-, 1000-fach)
Okularverschlusskappe, wenn Okularverschluss nicht eingebaut ist
Draht- bzw. Fernauslöser
Zeitmesser, entweder in Kamera eingebaut, oder Armbanduhr
Externer Belichtungsmesser, nicht unbedingt nötig aber bequemer!


Kamera:

Prinzipiell eignet sich jede Kamera, welche längere Belichtungszeiten und/oder B-Einstellung zuläßt. Vorteilhaft wäre eine mechanisch gebildete B-Einstellung, da lange Belichtungszeiten ziemlich Batteriestrom verbrauchen. Ein eingebauter Okularverschluss bei Spiegelreflex-Kameras vereinfacht die Arbeit.


Filmmaterial:

Im Prinzip kann jeder Film, ob Dia-, Negativ- oder Schwarzweißfilm, verwendet werden. Bei Diafilmmaterial tendiert die Farbgebung im Allgemeinen stark Richtung Warmton, je länger die Belichtungszeiten werden. Auch bei Negativ-Material läßt sich die Veränderung, da nonlinear, nicht vollständig kompensieren. Sinnvollerweise benutze ich nur niedrig- bis normalempfindliche Filme.


Schwarzschildeffekt:

Die Empfindlichkeit von Filmmaterial sinkt bei sehr langen und bei ultrakurzen (Blitz) Belichtungszeiten. Eine allgemeingültige exakte Formel läßt sich hier nicht aufstellen, da jeder Film anders reagiert. Im Zweifelsfalle Filmdaten vom Hersteller aus dem Internet herunterladen. Ist aber kein Grund, sich zu sorgen, da jede errechnete Belichtungszeit von flankierenden Belichtungen begleitet sein sollte.
ls guter Anhaltspunkt gilt:
Errechnete Zeit im Bereich von 1 sec. bis 1 min.: x0,7 - x1,0 - x1,4 - x2,0.
Bei noch längeren Zeiten bis ca. 30 min.: x1,0 - x1,4 - x2,0 - x4,0.


Der Okularverschluss:

Fast jeder Spiegelreflex-Sucher lässt Streulicht bei der Belichtung ins Kamerainnere eindringen. Stellen Sie einmal Ihre Kamera ohne Objektiv auf B, lösen im Dunkeln aus und leuchten mit einer kleinen Taschenlampe durch das Okular! Der hochgeklappte Spiegel hält nicht alles zurück. Normalerweise ist die Menge so gering, dass dies keinen Einfluß auf das Bild hat. Wird nun die Belichtung brutalstmöglich durch ein starkes Graufilter verlängert, verschiebt sich das Verhältnis von "Fotolicht" zu Streulicht dramatisch und das Bild wird stark überstrahlt. Also Daumen draufhalten, wenn nichts anderes greifbar ist. Nachts ist das kein Problem, es sei denn, eine Straßenlampe scheint munter ins Okular hinein.


Die Aufnahme:

Vorweg, Graufilter höherer Dichte gibt es von B+W:
Artikel-Nr.: 103 mit 8-facher Belichtungszeit- Verlängerung, entsprechend 3 Blendenstufen
106 = 64-fache Verlängerung, entspr. 6 Blendenstufen
110 = 1000-fache Verlängerung, entspr. 10 Blendenstufen
Polarisationsfilter haben einen Faktor von 1,8 - 2,5 fach.
Grundsätzlich gilt: je heftiger sich das Objekt bewegt, desto kürzer können die Zeiten sein. Ein ruhiges Meer benötigt dann über 1 min. zum "Glattbügeln", für einen Wasserfall genügen oft schon Sekundenbruchteile. Nur sehr ungern kombiniere ich mehrere Filter.

Ist dummerweise vergessen worden, das Graufilter vor der Langzeitbelichtung aufzusetzen, bitte zweimal den Film ein Bild weiter transportieren, da bei extremer Überbelichtung das Licht auch in die angrenzenden Filmabschnitte "kriecht". So kann man leicht die vorherige Aufnahme ruinieren.


Bildbeispiele Wasserfälle

Ohne Graufilter

Belichtung ohne Graufilter am späten Vormittag


Mit Graufilter

Belichtung mit Graufilter, ca. 20 sec., gleiche Tageszeit


Bildbeispiel: Meeresküste

Meeresküste

Angepeilt ist eine Zeit von circa 30 Sekunden. Kamera ohne Filter auf Stativ, Ausschnitt festlegen, Belichtung messen, z.B.--> 1/30 sec f 16. Graufilter 110 (1000fach) aufsetzen, ergibt: 1/30 x 1000 = 33 sec. Kamera auf B - Okular abdecken, da sonst Streulicht über den Sucher eindringt – Belichtungen mit 20 sec, 30 sec, 45 sec und 60 sec. Damit hat man sicher eine sehr gute Belichtung eingefangen.
Beste Zeiten sind naturgemäß der frühe Vormittag und der späte Nachmittag bis hin zur Nach-Sonnenuntergangsphase, da hier die Tendenz zu warmen Tönen die vorhandene Stimmung unterstützt. Messung durch das Filter und automatische Belichtung erzeugt bei den meisten Kameras viel zu niedrige Werte, dadurch starke Unterbelichtung. Einzig bei der Olympus OM 4Ti hat es , wegen der autodynamischen Belichtungsmessung während der Belichtung, ganz gut funktioniert. Eventuell noch bei der Pentax LX.


Beispiel: Sternenhimmel

Sternenhimmel

In der Nacht sind keine Filter nötig, höchstens ein klares Schutzfilter, um das Objektiv vor feuchtem Niederschlag zu schützen. Häuser, Bäume, Berge und andere Gegenstände im Bild bilden einen Bezugsrahmen. Nähere Objekte kann man auch während der Belichtung mit einer starken Taschenlampe oder mit dem entfesselten Blitzgerät ausleuchten, u. U. auch Farbfilterfolien einsetzen. Bei 100° ISO verwende ich Blenden von f2.8 bis f5.6 bei Zeiten von 20 min aufwärts bis zu einigen Stunden. Auf den Mond aufpassen, daß der nicht unerwartet ins Bild wandert. Durchfliegende Flugzeuge erzeugen punktierte Linien.
Abb: Sterne in Yoshua Tree National Park, Belichtungszeit, ca. 30 Minuten


Bildbeispiel: Bewegung

Karusell

Ein Karussell bei ca. 8 sec. gezoomt


Bildbeispiel: Wind



Bei Sturm an einem bedeckten Herbsttag mit Graufilter


© Gabi und Gunter Reichert, Bubenheim, 2001
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