Türkei

Ich war da


Türkei, neues altes Land.
von Roman F. Hümbs


Ein ganz besonderer Zauber geht von diesem Land aus. Es gibt viele Wege sich diesem Land zu nähern. Impressionen einer Fotoreise vom Taurusgebirge.

Knapp drei Flugstunden von uns entfernt erreichen wir den Hauch des Orient. Ein phantastischer Flug über das Taurusgebirge mit schneebedeckten Gipfeln erregt unsere Sinne. Herz was begehrst Du mehr. Sonne, ein paar vereinzelte Wolken, dazu dieser gewaltige Anblick der Berge.

Erste Ernüchterung bei der Landung. Die Präsenz durch das Militär ist nicht zu übersehen, aber darauf hatten wir uns bereits eingestellt. Trotz der vielen Menschen hier auf dem Flughafen in Antalya herrscht eine bedrückende Ruhe. Auf der Fahrt in Richtung Gebirge nehmen wir an diesem frühen Morgen die einzige Hauptstraße und fahren bis Incekum, vorbei an etlichen Dolmus Bussen. Der Transport mit solch einem Bus muß man erlebt haben, genial und aufregend zugleich. Fahrpläne gibt es keine und Haltestellen ebensowenig. Wo man steht an der Straße und man einen Dolmus sieht, heißt es: hereinwinken! und ab geht die Fahrt. Die Fahrt in einem Leihwagen ist bequemer, aber ungleich anstrengender. Das vorhandene Dreispursystem erlaubt es aus beiden Richtungen zu überholen, was reichlich genutzt wird. Die Türken reagieren sehr schnell, was etliche Unfälle vermindern hilft. Weiterer Vorteil: es herrscht eine tolle Gelassenheit, überall. Zumindest abseits der Touristenströme, und genau da fahren wir hin.

In Alanya biegen von der Hauptstraße ab, werfen einen letzten Blick auf diese Stadt und stoßen direkt auf die Bergstraße zum Taurus. Nach weiteren 20 Kilometern Rüttelpiste erleben wir einen Zeitwechsel, hier fühlen wir uns gute 50 Jahre zurückversetzt. Vorbei an Feldern, auf denen gesät und geerntet wird, überwiegend per Handarbeit, erreichen wir nach weiteren 60 Kilometern unser ausgewähltes Bergdorf. Die Gastfreundlichkeit der Türken ist enorm, sie haben wenig und teilen dieses sehr großzügig. Zwei Welten prallen aufeinander. Wir, eben noch, kaum 8 Stunden ist es her, standen wir in einer hochtechnisierten Welt, stehen jetzt inmitten von einer Schar Kinder und umgeben von einem halben PS (ist ein Esel). Viele Eindrücke begleiten uns, und Ramazan versucht plausibel zu machen, was und warum wir gekommen sind. Das Erstaunliche: es ist gar kein Problem. So essen und trinken wir mit den freundlichen und zuvorkommenden Dorfbewohnern, dürfen Aufnahmen machen von Land und Leuten und wir tauschen gegenseitig Erfahrungen aus. Die Zufriedenheit der Menschen vor Ort ist sehr hoch. Es liegt daran, das sie alles haben was benötigt wird. Das höchste Gut ist die Familie und darum dreht sich deren Leben. Sie machen sich keine Gedanken um das nächste neue Auto wie in Deutschland, nein, man lebt und erfreut sich an seiner Gesundheit. Und wenn wie hier passiert, ein paar Fremde einlaufen, nun, dann begibt sich ein junger Mann zum Nachbardorf und lädt dieses ebenfalls mit ein. Aus Freude an dem unerwartetem Besuch.

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Seit gut fünf Jahren ist jedes noch so kleine Bergdorf per Funktelefon zu erreichen, binnen 90 Minuten ist dann ein Hubschrauber des Militärs vor Ort und bringt ärztliche Hilfe, wenn nötig. Auf Kosten von Vater Staat. Fast jedes Dorf, ja beinah jedes Haus ist erbaut ohne Genehmigung, mit Duldung der Regierung. Wasserleitungsrohre und Leitungen für Strom werden gestellt, aber anbringen und verbauen muß man diese selber, schließlich baut man illegal. Solange dadurch Vater Staat nicht beeinträchtigt wird ist alles in Ordnung. Wenn doch, reißt das Militär das Haus ein, und 500 m weiter wird dann neu gebaut. Es ist die orientalische Gelassenheit, die diese Menschen auszeichnet. Im tiefen Innern sind es immer noch Nomaden, und ein auf Dauer festen Wohnsitz ist kaum vorstellbar in ihrem Leben.

Derzeit hat die Türkei noch Ursprünglichkeit zu bieten. Abseits der Hauptstädte läßt sich eine interessante Kultur kennenlernen. Leider wird hier seitens der Regierung versucht, mit aller Macht, noch mehr Touristen ins Land zu holen, der Bauboom gerade zwischen Alanya und Antalya ist enorm. Gerade eben erst wurden 18000 Quadratkilometer frei gegeben, und damit bis in Region des Taurusgebirges. Hier würde ein Austausch mit Ländern ratsam sein, welche diese Fehler bereits hinter sich haben, wie z.B. Spanien. Die verschiedenen Institutionen vor Ort, allem voran die Nationalparks, versuchen Einfluss zu nehmen, bisher jedoch mit wenig Erfolg. Deshalb denken auch sie bei ihrer zukünftigen Reise im Vorfeld daran, das es nicht immer das überschwengliche Luxushotel sein muß, etwas Zurückhaltung bringt hier wesentlich mehr.

Eine auch für mich außergewöhnliche Fotoreise, welche zustande gekommen ist durch das großartige Arrangement von Ramazan S. Üzum. Für die Zukunft haben wir bereits weitere Fotoreisen in Gemeinschaft geplant, denn sein Heimatland, die Türkei, läßt uns viel Raum zum entdecken.

Text und Fotos © Roman F. Hümbs, Engelskirchen
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